Erweckt zu neuem Leben auf vier starken Säulen

Kloster Vinnenberg - Ort geistlicher Erfahrung

Kloster Vinnenberg

Den Ursprung achten - der Entwicklung trauen

Das Land

Ein geistlicher Impuls zu Kloster Vinnenberg

Als der Herr sah, dass Mose näher kam, um sich das anzusehen, rief Gott ihm aus dem Dornbusch zu: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich. Der Herr sagte: Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden. Dann fuhr er fort: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Da verhüllte Mose sein Gesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen. (Exodus 3,4-6)

Weil ich aufgebrochen bin, mich bewegt, auf den Weg gemacht habe, meinem Pilgerziel treu geblieben bin, habe ich es als Pilger auch erreicht: die kleine Klosterkirche innerhalb eines eindeutig durch Mauern und eine Gräfte begrenzten Areals – das Kloster, das »Claustrum« –, der klar umrissene Heilige Bezirk des Klosters Vinnenberg. Ich tauche meine Fingerspitzen in geweihtes Wasser. Das Weihwasserbecken als Merkmal in Mauer gehauen. Symbol der Pilgerschaft. Sofort erfasse ich, wer ich bin. Ein Pilger. Müde und mit Staub bedeckt von meiner Pilgerreise. Wasser – ich erfrische mich. Wasser – ich reinige mich. Geweihtes Wasser – ich erinnere mich an meine Taufe. Seither nennt man mich Christ, auch wenn damals mein Weg der Christ-werdung erst begann, meine Pilgerschaft.

Noch stehe ich unter der Nonnenempore, im Dunkel, und lasse mich einfangen von dem Licht, das durch die gotischen, himmelwärts strebenden, schlichten Fenster mir entgegenfällt. Ich entdecke die Darstellung des Brennenden Dornbuschs, die Tabernakelstele, und lasse mich erinnern: Der Ort, wo ich stehe, ist heiliger Boden. Ob er es immer war, weiß ich nicht. Dass er es geworden ist, erlebe ich, angesprochen von dem, was von dorther auf mich zukommt, mich anspricht: »Komm nicht näher heran. Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden.« – Mein Glaube ist bodenständig. Ich stehe auf festem Grund. Mehr als 750 Jahre wurde hier das kontemplative Gebet gepflegt – still und meistens unauffällig. So steht dieses Haus auf heiligem Boden, der Lebensstand gibt, vor und durch Gott; ich stehe nackten Fußes auf festem Boden; ich werde berührt an meinem Lebensgrund.

Das Kloster Vinnenberg: Man findet es im östlichen Münsterland, an der Grenze zum Landkreis Osnabrück, eingebettet in eine Landschaft alter Bauernhöfe, ausgedehnter Felder und Wiesen. Neben den unzähligen Bildstöcken und Wegkreuzen, den bisweilen gedrungenen und zugleich sich zum Himmel emporstreckenden Türmen der aus Baumberger Sandstein gebauten Kirchen ist es eines von vielen Zeichen des tief in den Seelen der Münsterländer verankerten christlichen Glaubens, Teil des christlichen Abendlandes. Seit Jahren erlebt dieser Glaube fundamentale Erschütterungen: Verfall und Auflösung verbunden mit den Versuchen eines radikalen Wandels, der das Bewährte bewahrt und die notwendige Erneuerung herbeisehnt. – Eine alte Legende versuchte von Beginn an, diesen Ort zu einem heiligen werden zu lassen, indem er zu einem Ort der Versöhnung in zähem Erbstreit wurde. Sie berichtet in typisch mittelalterlich-frommer Erzählweise vom Ursprung des Klosters:

Die Ritter Bernhard und Johann von Vinnenberg, die wegen der Aufteilung des geerbten Adelshofes Vinnenberg im Streit lagen, sahen in mondheller Nacht, wie eine Frau und ein jüngerer Mann den Hof abschritten, ihn sorgfältig maßen und sich dann ermüdet auf einem Baumstamm niedersetzten. Sie erkannten in ihnen die Gottesmutter Maria und den Apostel Johannes – waren sie doch gekleidet, wie man damals Maria und Johannes zu malen pflegte. Sofort eilten sie in den Hof, fanden jedoch niemanden mehr. Nur ein roter Seidenfaden lag auf dem Stamm, auf dem sie sich ausgeruht hatten. Die zerstrittenen Brüder deuteten das Zeichen richtig. Unter dem Eindruck der Vision einigten sie sich und übergaben ihr väterliches Erbteil zu Ehren der Gottesmutter, des heiligen Johannes des Täufers und des heiligen Apostels Johannes den Schwestern des kleinen Klosters Marienberg »zur Erweiterung und Stiftung vorerwähnten Jungfrouwen Closter«. Aus dem Baumstamm, auf dem die Gottesmutter und der Heilige Johannes nach der Vermessung des Hofes gesessen hatten, ließ Bernhard von Vinnenberg vier Plastiken anfertigen: drei Bildnisse der Mutter Gottes und eines der heiligen Anna. Das kleinste der damals geschaffenen Marienbilder wurde das Vinnenberger Gnadenbild: die »Mutter Gottes vom Himmelreich«.

Die Ritter Bernhard und Johann von Vinnenberg verkauften also 1252 ihr adeliges Gut an die Schwestern des bereits in der Nähe bestehenden kleinen Klosters Marienberg (Mons Mariae) zur Gründung eines Zisterzienserinnenkonvents. So trägt seit nunmehr 750 Jahren das Kloster den Namen des ehemaligen Adelshofes Vinnenberg, der damals auf einer kleinen Flussinsel der Bever lag, und bildet einen großen Anziehungspunkt als Stätte des Gebetes und der Kontemplation, geprägt durch verschiedene Ordensgemeinschaften.

Geschichtlich steht die Gründung des Klosters Vinnenberg im Zusammenhang der religiösen Bewegung und der gesellschaftlichen Situation des 13. Jahrhunderts, die zum Entstehen und Aufblühen zahlreicher Klöster führte. Von Bischöfen und Adeligen gefördert, entstanden im westfälischen Raum in wenigen Jahrzehnten bis 1278 neben anderen Frauenklöstern wenigstens 25 Klöster, in welchen Töchter des Adels wie des sich entwickelnden Bürgertums ihr Leben nach der zisterziensischen Interpretation der Regel des heiligen Benedikt in Gebet und Arbeit gestalteten und Anschluss an den erfolgreichen Zisterzienserorden suchten. Durch den Ernst ihrer religiösen Haltung wie durch breit gefächerte kulturelle Leistungen wirkten sie weit über ihre unmittelbare Nachbarschaft hinaus. – Seither machen sich Pilger auf den Weg zur Gottesmutter von Vinnenberg. Bis heute ist die Kirche nur selten ohne Beter.

Carl B. Möller
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