Erweckt zu neuem Leben auf vier starken Säulen

Kloster Vinnenberg - Ort geistlicher Erfahrung

Kloster Vinnenberg

Den Ursprung achten - der Entwicklung trauen

Brüche

Ein geistlicher Impuls zu Kloster Vinnenberg

Und wieder einmal musste das Kloster Vinnenberg verlassen werden. Schon lange zeichnete sich ab, dass die Kraft zur Erneuerung fehlte. Die Angst vor dem Neuen lähmte das Kloster, der dynamischen Geisteskraft Gottes Raum zu geben. Verfall und Auflösung treten häufig ein, wenn angstvolles Festhalten an gewohnten Sicherheiten größer wird als das Sich-Verlassen auf das Wagnis des Glaubens. Das Kloster Vinnenberg geriet in den Auflösungsstrudel der Neuzeit: Familien lösen sich auf, Konvente veröden, Kirchenbänke bleiben leer, und Kirchen müssen »profaniert« und verkauft werden. Geist­lichen Gemeinschaften, deren Strahlkraft ganze Landstriche durchdrungen und den Menschen Alltag und Rücken gestärkt haben, fehlen Kraft und Licht. Sterben und tot bleiben.

Die Gemäuer des Klosters wissen es, und sie sprechen davon. Und wer Ohren hat zu hören, der hört jenen Todesschrei, der nur dem Stirb und Werde menschlichen Lebens eigen ist. Es ist kein Jammern, kein Klagen, denen Resignation folgt. Es ist ein aufbäumender Schrei, der Erneuerung und Wandlung nicht nur will sondern bereits beginnen lässt. Mutvolles Klagen. Ihm wohnt Gottes befreiendes Wort selbst inne, das den Menschen heilende Krisen als Geschenk bereit hält.

Ja, die Mauern erzählen dieses notwendige Stirb und Werde, ohne das geistliches Leben nicht möglich wird. So berichtet die Klosterchronik:

Wichtiger als der äußere Aufbau Vinnenbergs ist die innere Entwicklung des Klosters. Nach 1252 nahm die Gründung der Zisterzienserinnen zunächst einen starken Aufschwung. Von der Äbtissin Angela wird 1290 berichtet, dass sie ihr Kloster in »aller Auferbawligkeit und geistlichem eyffer regirt« habe und dass sie anno 1301 gestorben sei. Seit jener Zeit schließt sich lückenlos die Reihe der 28 Äbtissinen, die in Vinnenberg regieren.

Im 15. Jahrhundert wurde der Reichtum zum Verhängnis des Klosters. Der Geist der benediktinischen Regel fand bei den Ordensfrauen keine gebührende Würdigung mehr. Johann von Bayern, Bischof von Münster, versuchte eine Klosterreform durchzuführen. Die vom Bischof angeregten Bemühungen der damaligen Äbtissin Mechtildis von Ermelen blieben erfolglos.
Sie legte ihr Amt 1465 nieder, und der Bischof bestimmte 1466 Else Swaneken zur neuen Äbtissin. Sie führte die Reform durch, und das bisherige Zisterzienserinnenkloster wurde Benediktinerinnenabtei, der Bursfelder Reformkongregation angeschlossen und dem Benediktinerinnenkloster Liesborn zur Reform und geistlichen Betreuung unterstellt.
Heute leben über 50 Schwestern in Kloster Vinnenberg. Tausende von Wallfahrern kommen jedes Jahr zum Gnadenbild der »Muttergottes vom Himmelreich«. So ist auch nach über 700 Jahren das verborgene Kloster an der Bever noch eine Quelle des Segens und der göttlichen Gnade für jene Menschen unserer Zeit, die davon überzeugt sind, dass nur Gottes Gnade helfen kann, die vielfältigen (…) persönlichen Probleme zu lösen, die uns immerfort bedrängen.


Weitere schwere Ein-brüche folgten: Ein verheerender Großbrand am Palmsonntag 1550 zerstörte Kirche und Kloster vollständig. Im Zuge der Säkularisation wurde Vinnenberg trotz aller vorherigen Versicherungen, das Kloster zu schonen, 1810 aufgelöst. Da sich kein Käufer für die Anlage fand, war das Kloster zunehmendem Verfall preisgegeben, bis auf Initiative des Bischofs Hermann Dingelstad die Benediktinerinnen vom Heiligsten Sakrament 1898 das Gebäude neu besiedelten. Am 15. Juli 1941 wurde es jedoch von der Geheimen Staatspolizei der NS-Regierung beschlagnahmt, die Kirche geschlossen, die Schwestern vertrieben und die Priorin ins Gefängnis gebracht. Am 2.Mai 1945 kehrten die Schwestern zurück, widmeten sich sofort dem Wiedererstarken der geistlichen Ausstrahlung des benediktinischen Geistes, ebenso der Wallfahrtstradition und errichteten dort in beeindruckender Hingabe und Treue ihren Dienst des »Bete und arbeite«.

Am 24. Juni 2005 mussten sie von Alter und Krankheit gezeichnet ihren vertrauten Lebensraum in Richtung Osnabrück verlassen.

Bruch – Abbruch – Umbruch – Aufbruch: Geistliches Leben ist immer Bruchstück.

Carl B. Möller
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